Die ALPINALE, eines der ältesten Filmfestivals Österreichs, feierte Anfang August ihr 40-jähriges Jubiläum. Das Open-Air-Festival versammelt Filmemacher:innen und Publikum aus aller Welt – Grund genug, nicht nur die bewegenden Bilder auf der Leinwand zu feiern, sondern auch der Frage nachzugehen, wie der Kurzfilm als kultureller und gesellschaftspolitischer Motor gerade im ländlichen Raum wirkt.

Große Geschichten in wenigen Minuten – und was sie bewirken

Festivalleiterin Manuela Mylonas bringt es auf den Punkt: „Der Kurzfilm erschafft in wenigen Minuten eine berührende Welt.” Was für das Medium gilt, gilt auch für seine gesellschaftliche Wirkung. Der Kurzfilm ist eine Bühne für Vielfalt, für das Unerwartete, für unangepasste Geschichten. Seit 1982 ist die ALPINALE Treffpunkt für Nachwuchstalente und etablierte Filmschaffende gleichermaßen, seit 1985 wird hier das legendäre Goldene Einhorn vergeben. Mit über 1000 Einreichungen aus mehr als 70 Ländern allein in diesem Jahr ist die Strahlkraft des Festivals ungebrochen.

Dabei geht es längst um mehr als filmische Qualität: Die ALPINALE macht den Kurzfilm in einer Region zum Ereignis, der kulturelle Impulse sonst eher in den urbanen Zentren sucht.

Die gesellschaftspolitische Dimension des Kurzfilms

Kurzfilme sind in ihrem Wesen oft radikal – als Experimentierfeld, als Stimme für Minderheiten, als Katalysator für gesellschaftlichen Diskurs. Sie machen Komplexes erfahrbar, zeigen Perspektiven, die im Mainstreamkino oft keinen Platz finden, und regen zur Auseinandersetzung an. Themen wie soziale Gerechtigkeit, Diversität, Klima, Demokratie und gesellschaftliche Umbrüche werden pointiert und emotional vermittelt. Genau diese Dimension ist der ALPINALE seit jeher wichtig.

Im internationalen Wettbewerb, aber auch in den Programmen für Kinder und Jugendliche, spiegeln sich globale Fragen ebenso wie lokale Realitäten. Die Kategorie der v-shorts betont die Bedeutung regionaler Produktion und mobilisiert kreative Potenziale in Vorarlberg – ein Beitrag zur Identitätsbildung und Stärkung regionaler Selbstvergewisserung.

Kulturförderung im ländlichen Raum – ein Labor für Teilhabe

Die Geschichte der ALPINALE ist zugleich eine Geschichte gelungener Kulturförderung außerhalb der Großstadt. Was mit den „Bludenzer Filmtagen“ begann, entwickelte sich zu einer anerkannten Plattform, die Nachwuchs fördert und Vernetzung möglich macht. Die jährliche Vorarlberger Kurzfilmnacht und die „Ländle Tour“ bringen die besten Filme in die Regionen, binden lokale Partner ein und machen kulturelle Teilhabe für viele erst erfahrbar. Die gezielte Förderung regionaler Filmarbeit, die Öffnung hin zu internationalen Kooperationen und die Bildung eines Netzwerks von Filmschaffenden sind essenziell für kreative Prozesse, die Vielfalt, Innovation und gesellschaftliche Debatte in Vorarlberg verankern.

Dass die ALPINALE nach 16 Jahren in Nenzing zurück in ihre Gründungsstadt Bludenz kam, ist ein Beleg dafür, wie wichtig Infrastruktur und offene Kulturpolitik für kulturelle Entwicklung sind.

Filmkunst als Motor im regionalen und globalen Dialog

Die ALPINALE feiert nicht nur große Filmkunst im kompakten Format, sondern auch 40 Jahre Engagement für gesellschaftlichen Dialog und regionale Entwicklung. Was hier aus Überzeugung und Leidenschaft entstanden ist, ist weit mehr als ein Festival – es ist ein Labor für das Nachdenken über Gesellschaft, Identität und Zukunft, verankert mitten in den Alpen, mit Blick auf die ganze Welt.

Fotos: Gerhard Scopoli/Alpinale 10.08.2025