Mit seiner aktuellen Uraufführung stellt das „aktionstheater ensemble“ den Menschen in den Mittelpunkt — nicht als optimiertes Wesen, nicht als berechenbare Maschine, sondern als verletzliches, suchendes, widersprüchliches Individuum. Im Zentrum steht der fehlbare Mensch: das schutzlose Kind, der ältere Mensch, der Ausgegrenzte, der Kranke, die Träumerin, der Spinner, das verwirrte Genie. Jene Figuren also, die sich einer Welt der Effizienz, Kontrolle und digitalen Verwertbarkeit entziehen.

Der Vorarlberger Theatermacher Martin Gruber beschreibt die neue Arbeit als künstlerische Reibung an der scheinbaren Übermacht einer schönen neuen Technikwelt. Vor der Drohkulisse einer Effizienzsteigerungsmaschine namens Künstliche Intelligenz — mitsamt ihren Tech-Bro-Profiteuren und libertären Antidemokrat:innen — behauptet die Inszenierung die Kraft der Kunst: das Straucheln, das Zweifeln, das Schwitzen, das Lieben und Träumen.

Gerade darin liegt die Stärke dieses Abends. Denn wo digitale Systeme Perfektion, Geschwindigkeit und Vorhersagbarkeit versprechen, setzt die Bühne auf das Unkontrollierbare. Auf Körper. Auf Sprache. Auf Widerspruch. Auf Menschen, die nicht funktionieren müssen, sondern sein dürfen. Die Uraufführung wird so zu einem poetischen Gegenentwurf zur Logik der Optimierung — und zu einem eindringlichen Plädoyer für die Würde des Unperfekten.

Das aktionstheater ensemble bleibt damit seiner künstlerischen Handschrift treu: gesellschaftspolitisch hellwach, sprachlich präzise, formal eigenwillig und immer nah an den Zumutungen der Gegenwart. Die Bühne wird zum Resonanzraum für jene Fragen, die uns alle betreffen:

  • Was bleibt vom Menschen, wenn Effizienz zum Maß aller Dinge wird?
  • Welche Formen von Verletzlichkeit lassen wir noch zu?
  • Und wie viel Fehlbarkeit verträgt eine Gesellschaft, die sich zunehmend nach Maschinenlogik organisiert?

Es ist gerade die Kunst, die dem scheinbar Unausweichlichen etwas entgegensetzen kann. Nicht mit einfachen Antworten, sondern mit Bildern, Stimmen und Körpern, die sich nicht einordnen lassen. Mit Menschen, die stolpern, irren, begehren, träumen — und gerade dadurch berühren.

Auch international hat das aktionstheater ensemble zuletzt eindrucksvoll gezeigt, welche Strahlkraft seine Arbeiten entfalten. Die mit dem Bregenzer Frühling koproduzierten und in Kooperation mit dem Theater am Werk im Kabelwerk durchgeführten Performances „Pension Europa“ und „All about me“ wurden nach London an den Piccadilly Circus, nach New York City Off-Broadway sowie zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen.

Die aktuelle Uraufführung knüpft an diese Erfolge an — und öffnet zugleich einen neuen, hochaktuellen Denkraum. Ein Theaterabend als Widerrede gegen die Kälte der Optimierung. Und ein Hoch auf das, was uns menschlich macht: unsere Fehlbarkeit.

Christoph Thoma Blog

Unterwegs halte ich besondere Momente in Bildern und Geschichten fest. In meinem Blog finden sich Reportagen, Fotos und Eindrücke meiner politischen Arbeit und Schwerpunkte.