
Wer in Bludenz ernsthaft über Kulturpolitik spricht, kommt an allerArt nicht vorbei. Seit 1988 steht der Verein für ein Kulturverständnis, das mehr will als reine Unterhaltung: zeitgenössische Kunst ermöglichen, neue Positionen sichtbar machen und kulturelle Qualität dauerhaft in der Stadt verankern, nicht in Abgrenzung zum städtischen Kulturprofil, sondern in dessen Ergänzung.
Mit der Remise Bludenz verfügt allerArt über einen Ort, der weit mehr ist als eine Veranstaltungsstätte. Hier entsteht ein Programm, das für die Region unverzichtbar und zugleich überregional bemerkenswert ist: Ausstellungen, Leinwandlounges, Literatursalon und vor allem die Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik machen Bludenz zu einem Kulturstandort mit eigenem Profil.
Gerade die Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik zeigen, was allerArt so besonders macht. In Bludenz wird neue Musik nicht einfach konsumiert, sondern produziert: mit Uraufführungen, Kompositionsaufträgen, Meisterklassen und internationaler Ausstrahlung. Dass Werke von hier aus auf andere Bühnen weiterwandern, ist kein Nebeneffekt, sondern ein kulturpolitischer Erfolg. Es zeigt: Auch eine kleine Stadt kann ein Ort großer künstlerischer Relevanz sein, was sich auch durch die Kuratoren zeigt: Georg Friedrich Haas, Wolfram Schurig, Alexander Moosbrugger, Clara Ianotta und seit 2025 Mirela Ivičević.
Hinzu kommt die kontinuierliche Arbeit im Kunstraum Remise, die zeitgenössische bildende Kunst nach Bludenz bringt, ebenso wie Formate mit niedriger Zugangsschwelle wie die LeinwandLounge oder der Literarische Salon. Genau diese Mischung ist die Stärke von allerArt: anspruchsvoll im künstlerischen Profil, offen in den Zugängen und der überregionalen Wirkung.
Kulturpolitisch ist das von erheblicher Bedeutung. allerArt erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig: Der Verein ist Innovationsmotor, Bildungsakteur und Imagefaktor. Er stärkt die kulturelle Identität der Stadt, schafft Teilhabe und erhöht die Sichtbarkeit von Bludenz weit über die Region hinaus.
Gerade deshalb wäre es politisch falsch, solche Einrichtungen in Zeiten knapper Budgets nur unter dem Blickwinkel von Subventionen zu betrachten. Wer bei Kultur nur auf den Kostenpunkt schaut, übersieht ihren Mehrwert. Jeder Euro für allerArt wirkt mehrfach: in Bildung, Stadtprofil, gesellschaftlichem Zusammenhalt und internationaler Wahrnehmung. Öffentliche Kulturförderung ist hier kein Selbstzweck, sondern ein Hebel mit hoher Rendite für die Stadt. Gut, dass der Verein nun auch einen Zukunftsprozess gestartet hat, um die Transformation in die kommenden Jahre aktiv zu gestalten.
Natürlich steht auch allerArt unter Druck: steigende Anforderungen, wachsende Erwartungen an Vermittlung und Kommunikation, zugleich angespannte öffentliche Haushalte. Die kulturpolitische Aufgabe für die kommenden Jahre ist daher klar: Vermittlung stärken, Publikum erweitern, Finanzierung breiter aufstellen – ohne das künstlerische Profil zu verwässern. Denn die besondere Stärke von allerArt liegt gerade darin, dass hier nicht Beliebigkeit produziert wird, sondern ein unverwechselbares Angebot.
Bludenz kann sich glücklich schätzen, mit allerArt einen Kulturträger zu haben, der lokales Publikum erreicht und internationale Relevanz erzeugt. Auf diesen Stärken gilt es aufzubauen.
- HIHI
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