Wer durch Vorarlberg reist – ob im Montafon, im Walgau oder im Rheintal – begegnet früher oder später einer Blasmusikkapelle. Beim Dorffest, bei der Erstkommunion, am „Tag der Blasmusik“ oder einfach bei der Fronleichnamsprozession: Die Blasmusik ist ein selbstverständlicher Teil des Vorarlberger Lebensgefühls. Dabei leisten unsere Musikvereine weit mehr als das, wofür sie auf den ersten Blick stehen. Sie sind Bildungseinrichtungen, Sozialwerke, Integrationsmotoren und Kulturbotschafter in einem – getragen von tausenden Menschen, die ihre Freizeit ehrenamtlich in den Dienst der Gemeinschaft stellen.

Ein Fest, das diese Kraft sichtbar macht

Ein besonders schönes Beispiel dafür, wie lebendig dieses Vereinswesen ist, erlebten wir heuer mit dem MUSIKFEST2026 in Gaschurn-Partenen, ein Schaufenster dafür, was in den Kapellen das ganze Jahr über an Arbeit, Ausbildung und Gemeinschaft entsteht. Musikkapellen aus der ganzen Region kommen zusammen, tauschen sich aus, treten gemeinsam auf – und die Bevölkerung erlebt hautnah, welch hohes musikalisches Niveau und welch enormes Engagement hinter dem scheinbar Selbstverständlichen steckt.

„Vorarlberg hat mit seinem Blasmusikwesen eine eigene, unverwechselbare Marke – gewachsen aus Tradition, getragen von Ehrenamt, und dabei erstaunlich zukunftsfähig.“

Die Bürgermusik Gaschurn-Partenen als Beispiel

Wie stark diese Strukturen tatsächlich sind, zeigt ein Blick auf die Bürgermusik Gaschurn-Partenen – exemplarisch für viele Vorarlberger Kapellen, und zugleich beeindruckend für sich.

Mit 66 aktiven Musikantinnen und Musikanten zählt der Verein zu den größeren Blasmusikkapellen im ganzen Land. Doch die eigentliche Stärke zeigt sich im Nachwuchs: 38 Jungmusikerinnen und Jungmusiker befinden sich derzeit in Ausbildung, 26 von ihnen spielen bereits aktiv in der Jugendkapelle mit. Das ist gelebte Nachwuchsarbeit – und ein Beleg dafür, dass die Sorge um das Fortbestehen der Blasmusiktradition in Gaschurn-Partenen unbegründet ist.

Besonders stolz ist man zu Recht auf die 14 Ehrenmitglieder, aktive wie passive. Zwei Persönlichkeiten stehen dabei stellvertretend für das, was Vereinsleben im besten Sinne bedeutet:

  • Ehrenkapellmeister Alfred Ganahl hielt seiner Bürgermusik 48 Jahre lang die Treue und stand mehr als 20 Jahre als Dirigent am Pult.
  • Ehrenobmann Arnold Wachter prägte beinahe drei Jahrzehnte die organisatorische Führung des Vereins – und ist bis heute aktives Mitglied.

Diese Lebensleistungen verdienen Respekt und öffentliche Anerkennung. Sie zeigen, dass Vereinsarbeit in Vorarlberg keine kurzfristige Episode ist, sondern über Jahrzehnte hinweg gelebtes Engagement für die Gemeinschaft.

Einige Zahlen sind eindrücklich: Im Schnitt kommen pro Vereinsjahr 45 Vollproben, 32 Teilproben und 46 Ausrückungen zusammen. Das entspricht rund 25.800 Stunden – oder etwa 550 Stunden pro Musikerin und Musiker. Zur Einordnung: Das ist mehr Zeit, als viele Menschen jährlich in einer Teilzeitanstellung aufbringen – freiwillig, neben Beruf, Familie und Ausbildung.

Warum das politisch relevant ist

Als Bundesrat und jemand, der sich intensiv seit mehr als 20 Jahren mit Kunst- und Kulturarbeit beschäftigt, sehe ich in solchen Zahlen mehr als eine schöne Vereinsstatistik. Sie sind ein Argument dafür, dass Blasmusikvereine als tragende Säulen des gesellschaftlichen Zusammenhalts in unseren Gemeinden anerkannt und entsprechend unterstützt werden müssen – bei der Nachwuchsförderung, bei Proberäumen, bei der musikalischen Ausbildung und nicht zuletzt bei der öffentlichen Wertschätzung dieser Lebensleistungen.

Ein herzliches Vergelt’s Gott an die Bürgermusik Gaschurn-Partenen und an alle Vorarlberger Musikvereine für dieses beispielhafte Engagement, und besonders bedanken möchte ich mich bei der Harmoniemusik Vandans, deren Festführer ich am 26. Juli sein durfte.

Christoph Thoma Blog

Unterwegs halte ich besondere Momente in Bildern und Geschichten fest. In meinem Blog finden sich Reportagen, Fotos und Eindrücke meiner politischen Arbeit und Schwerpunkte.