
Die Initiative „Bundesrat im Bundesland“ führt die Mitglieder des Bundesrates zwei Mal im Jahr dorthin, wo politische Verantwortung konkret gelebt wird – in die Regionen Österreichs. In diesen Tagen ist Osttirol Gastgeber mit Bundesratspräsident Markus Stotter, und damit rückt eine Region in den Mittelpunkt, die eindrucksvoll zeigt, wie viel Kraft in Zusammenarbeit, klaren Strategien und regionalem Selbstbewusstsein steckt.
„Als Länderkammer des österreichischen Parlaments ist es unsere Aufgabe, die Interessen der Bundesländer aktiv in die Bundesgesetzgebung einzubringen“, so Bundesrat Christoph Thoma, der Vorarlberg in Lienz vertritt.
„Genau deshalb ist der direkte Austausch vor Ort so entscheidend: Er schafft Verständnis für regionale Herausforderungen, eröffnet neue Perspektiven und stärkt den Zusammenhalt über Ländergrenzen hinweg.“ (CT)
Ein herausragendes Beispiel dafür ist der „Zukunftsraum Lienzer Talboden“.
Die 15 Gemeinden des Planungsverbands 36 haben sich bewusst dafür entschieden, ihre Region nicht isoliert zu denken, sondern als gemeinsamen Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum aktiv zu gestalten. Denn für die Menschen vor Ort, für Unternehmerinnen und Unternehmer sowie für Gäste ist der Lienzer Talboden längst ein vernetzter Raum – und genau dieser Realität trägt man mit dem Zukunftsraum Rechnung. Ziel ist es, die individuellen Stärken und Besonderheiten der einzelnen Gemeinden zu bewahren und gleichzeitig als starke Einheit aufzutreten: als der Zukunftsraum südlich der Alpen. Grundlage dafür ist ein strukturierter Standortentwicklungsprozess, der zentrale Zukunftsfragen bündelt und in konkrete Handlungsfelder übersetzt.
Im Zentrum steht eine abgestimmte wirtschaftliche Entwicklung, bei der Projekte über Gemeindegrenzen hinweg koordiniert, infrastrukturell sinnvoll angebunden und strategisch ausgerichtet werden. So entstehen wettbewerbsfähige Schwerpunktbereiche, die den Standort langfristig stärken.
Ebenso entscheidend ist ein gemeinsames Standortmarketing, das die Region nach innen und außen klar positioniert. Denn nur wer seine Stärken sichtbar macht, kann im Wettbewerb um Betriebe, Fachkräfte und Investitionen bestehen. Ergänzt wird dieser Ansatz durch eine koordinierte Energiepolitik, die auf Effizienzsteigerung und abgestimmte Nutzung regionaler Ressourcen abzielt.
Ein weiterer Schlüsselbereich ist die Mobilität.
Gute Erreichbarkeit bleibt eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung und Betriebsansiedlungen. Durch gemeinsame Initiativen – von Lobbying bis hin zu konkreten Maßnahmen – wird daran gearbeitet, die infrastrukturellen Rahmenbedingungen gezielt zu verbessern. Auch im Bereich Bildung zeigt sich ein großes Potenzial: Osttirol verfügt über eine überdurchschnittlich hohe Akademikerquote. Dieses Know-how stärker in der Region zu verankern, etwa durch Kooperationen und neue Bildungsangebote, ist ein entscheidender Hebel für die Zukunftsfähigkeit des Standorts.
Darüber hinaus setzt der Zukunftsraum konsequent auf Kooperation – sowohl in der Verwaltung als auch in Bereichen wie Infrastruktur, Pflege, Kultur oder Freizeit. Bestehende Zusammenarbeit wird weiterentwickelt, neue Synergien werden gezielt erschlossen. „Entwicklungen werden nicht top-down verordnet, sondern gemeinsam erarbeitet. Unterschiedliche Interessen werden transparent gemacht, Zielkonflikte frühzeitig angesprochen und Lösungen im Dialog entwickelt. Das schafft Vertrauen, erhöht die Akzeptanz und eröffnet neue Handlungsspielräume“, so Thoma, der Wissenstransfer und Dialog über die Landesgrenzen setzt.
Der Zukunftsraum Lienzer Talboden ist damit weit mehr als ein regionales Projekt – er ist ein Modell dafür, wie moderne Standortpolitik funktionieren kann: vernetzt, strategisch, kooperativ und konsequent an den realen Bedürfnissen der Menschen und der Wirtschaft ausgerichtet.
„Für uns im Bundesrat sind solche Initiativen ein starkes Signal. Sie zeigen, wie wichtig funktionierender Föderalismus ist – und wie viel Innovationskraft in unseren Regionen steckt. Und das müssen wir in der Länderkammer konsequent sichtbar machen.“ (CT)

