„Der Kurzfilm erschafft in wenigen Minuten eine berührende Welt. Er erzählt seine Geschichte mit fesselnder Stimme, bewegenden Gefühlen und schwingt noch lange in den Köpfen nach. Wir lieben den Kurzfilm!“ Mit diesen Worten bringt ALPINALE-Festivalleiterin und Obfrau Manuela Mylonas auf den Punkt, was dieses Festival seit über vier Jahrzehnten antreibt. Und genau dieser Satz ist für mich der Ausgangspunkt, um über etwas zu schreiben, das mir besonders am Herzen liegt: die Kraft, die von Kulturinitiativen abseits der großen Metropolen ausgeht.

Eine kurze Festivalgeschichte

Die ALPINALE zählt zu den ältesten Filmfestivals Österreichs. Ihre Wurzeln reichen bis 1982 zurück, als Otmar Rützler und Günther J. Wolf mit den Bludenzer Filmtagen den Grundstein legten. 1985 folgte der entscheidende Schritt zum internationalen Filmfestival – seither wird das Goldene Einhorn, abgeleitet vom Wappentier der Stadt Bludenz, vergeben. Schon früh war das Festival international sichtbar: Regisseure wie Luc Bondy oder Michael Verhoeven waren zu Gast, ebenso der spätere Bundespräsident Dr. Heinz Fischer.

Inhaltlich entwickelte sich die ALPINALE vom Avantgarde-Festival über den alpenländischen zum europäischen Nachwuchsfilm – bis heute unter freiem Himmel als Open-Air-Festival, ein Markenzeichen von Anfang an.

Ende 2008 übernahm Manuela Mylonas als Obfrau und Festivalleiterin, strukturierte den Verein neu und schärfte das Profil: Die ALPINALE positionierte sich klar als Kurzfilmfestival – seither offiziell „ALPINALE Kurzfilmfestival“. Getragen wird sie bis heute wesentlich von ehrenamtlichem Engagement, seit 2015 unterstützt durch eine Teilzeitmitarbeiterin.

Warum das für den ländlichen Raum bzw. Kleinstädte so wichtig ist

Als jemand, der sich sowohl in Wien als auch in meinem Heimatbundesland kulturpolitisch engagiert, sehe ich in der ALPINALE ein Musterbeispiel dafür, wie Kultur abseits der Ballungszentren nicht nur überleben, sondern prägend wirken kann. Drei Punkte scheinen mir dabei zentral:

Kultur als Standortfaktor. Ein Festival mit über 40-jähriger Geschichte und internationaler Strahlkraft verändert das Bild einer Region. Es zeigt, dass kulturelle Relevanz nicht an die Größe einer Stadt gekoppelt ist, sondern an Haltung, Kontinuität und den Mut, ein eigenes Profil zu entwickeln.

Nachwuchsförderung mit langem Atem. Von Beginn an stand die Förderung junger Filmschaffender im Zentrum. Das ist lebendige Kulturarbeit – nicht als einmalige Aktion, sondern als über Jahrzehnte gewachsene Struktur, die jungen Talenten eine Bühne bietet, die sie sonst vielleicht erst in den großen Städten fänden.

Internationalität ohne Verlust der regionalen Verwurzelung. Die ALPINALE hat es geschafft, gleichzeitig lokal verankert und international sichtbar zu sein. Das „Goldene Einhorn“ verbindet regionale Identität mit einem Preis, der international Gewicht hat. Genau diese Verbindung – lokale Verwurzelung plus internationaler Anspruch – ist meiner Meinung nach eine der größten Stärken, wenn es darum geht, Kulturentwicklung im ländlichen Raum nachhaltig zu gestalten.

Ein Modell für andere Regionen?

Die Geschichte der ALPINALE zeigt, dass kulturelle Leuchttürme nicht zwangsläufig in Wien, Salzburg oder Graz entstehen müssen. Oft sind es einzelne Persönlichkeiten – wie damals Otmar Rützler und Günther J. Wolf, heute Manuela Mylonas –, die mit Ausdauer und einer klaren Vision etwas aufbauen, das weit über die eigene Region hinausstrahlt. Kultur lebt nicht nur von großen Häusern, sondern gerade von jenen Projekten, die mit Beharrlichkeit aus kleinen Anfängen etwas Bleibendes schaffen.

Die ALPINALE ist ein solches Projekt – und ein gutes Beispiel dafür, warum es sich lohnt, genauer hinzuschauen, wenn Kultur „am Land“ entsteht.

Christoph Thoma Blog

Unterwegs halte ich besondere Momente in Bildern und Geschichten fest. In meinem Blog finden sich Reportagen, Fotos und Eindrücke meiner politischen Arbeit und Schwerpunkte.