Manche Künstlerinnen feiern ihren runden Geburtstag mit einem Fest. Uta Belina Waeger feierte ihn mit einer Ausstellung – und beschenkte damit nicht nur sich selbst, sondern auch das Vorarlberger Publikum. Zu ihrem 60. Geburtstag im Juli zeigte die Malerin, Objekt- und Installationskünstlerin im QuadrArt Dornbirn eine Werkschau, die sie selbst treffend als „Entdeckungsreise von bisher Ungezeigtem“ bezeichnet.

Ein Kunstraum, zwei Handschriften

Das QuadrArt Dornbirn leitet Waeger gemeinsam mit Galerist und Kunstsammler Erhart Witzel – ein Haus, das für anspruchsvolle zeitgenössische Kunst in der Region steht. Dass die Künstlerin nun selbst mit einer umfassenden Personale in den eigenen Räumen zu Gast ist, verleiht der Schau eine besondere Note: Hier trifft kuratorische Erfahrung auf das eigene, jahrzehntelang gewachsene Werk.

Von Wien und New York zurück ins eigene Werk

Waegers künstlerischer Werdegang führte sie an die Akademie der bildenden Künste und die Universität für Angewandte Kunst in Wien sowie ans New Yorker Pratt Institute. Diese internationale Ausbildung spiegelt sich in einem Werk, das sich nie auf eine Disziplin festlegen ließ. In Dornbirn kombiniert sie nun Arbeiten aus den 1990er-Jahren mit ganz Aktuellem – ein Dialog über drei Jahrzehnte künstlerischen Schaffens hinweg.

Der Kleiderschrank als Materiallager

Besonders persönlich wird es dort, wo Waeger ihren eigenen Kleider- und Schuhschrank zur Fundgrube macht. Ausgemustertes, Vergessenes, nur einmal Getragenes verwandelt sich unter ihren Händen in Kunst: An Cowboystiefel gestrickte Strumpfhosen hängen an der Wand, umgestülpte Taschen mutieren zu Wäsche-Zweiteilern. Es ist eine Kunst, die das Private nicht versteckt, sondern offenlegt und zugleich verfremdet.

Auch das Selbstportrait zieht sich als roter Faden durch alle künstlerischen Phasen Waegers – mal selbstkritisch, mal abstrakt, aber immer ein ehrlicher Blick auf sich selbst.

Fundstücke als Ausgangspunkt

Waeger beschreibt ihre eigene Arbeitsweise so unmissverständlich wie poetisch: Fundstücke bilden die Basis ihres gestalterischen Schaffens. In der freien Kunst sind es gebrauchte Eisengeräte aus vergangener Zeit, oft mit aggressiver Prägung, die sie in vielen Schichten „ver-häut-et“ – bis aus dem ursprünglichen Gegenstand etwas Wesenhaftes, Neues entsteht.

Im ReDESIGN wendet sie dasselbe Prinzip auf gebrauchte Kleinmöbel an – vor allem Stühle, manchmal Lampen. Durch handwerklich ausgeklügelte und zugleich künstlerische Überformung verlieren die Objekte mitunter ihre angestammte Funktion, gewinnen aber eine Anmutung, die es zuvor so nicht gab. Aus dem gebrauchten Einzelstück wird ein Unikat mit echtem Mehrwert.

„Zum Sechzigsten“ war mehr als eine Werkschau – es war eine Einladung, eine Künstlerin über ihre verschiedenen Schaffensphasen hinweg neu zu entdecken. Happy Birthday, liebe Uta Belina Waeger!

Christoph Thoma Blog

Unterwegs halte ich besondere Momente in Bildern und Geschichten fest. In meinem Blog finden sich Reportagen, Fotos und Eindrücke meiner politischen Arbeit und Schwerpunkte.