
Zwei intensive Tage bei den Euregio Days, ein Tourismus-Summit dazwischen, unzählige Gespräche abseits der großen Bühne – das European Forum Alpbach stand heuer unter dem Motto „How Europe Wins“. Genau diese Frage hat mich die Tage über begleitet: Wie gewinnen wir Europa zurück – insbesondere als Wirtschaftsstandort?
Abschottung ist keine Antwort
Für mich ist das keine abstrakte Debatte, sondern eine sehr konkrete: Was passiert mit unserem Wohlstand, wenn wir uns wirtschaftlich abschotten, statt offen zu bleiben? Eine Frage, die sich aktuell auch die Bürger:innen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stellen sollten.
Beim Dialog zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rahmen der Euregio Days wurde einmal mehr klar: Wer sich abschottet, schadet zuerst der eigenen Wirtschaft. Lieferketten, Fachkräfte, Investitionen, Innovation – all das lebt von Durchlässigkeit, nicht von Abschottung. Hier zeigt sich für mich ein fundamentaler Unterschied in der politischen Herangehensweise: Während manche glauben, mit Abschottung ließen sich Wohlstand und Sicherheit bewahren, bin ich überzeugt, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Abschottung mag als einfache Antwort wirken, sie zerstört aber die wirtschaftliche Substanz.
Solidarität und internationale Kooperation sind keine Ideale von gestern, sondern Standortfaktoren von heute und morgen. Diese Zukunft entsteht nicht durch Rückzug, sondern durch Co-Creation – durch eine Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die bereit sind, gemeinsam zu gestalten statt sich einzuigeln.
Kritisches Denken wird zur Kernkompetenz
Meine erste Notiz aus den Euregio Days: Künstliche Intelligenz verändert nicht nur, was wir arbeiten – sondern wie wir denken. Welche Skills braucht der Arbeitsmarkt also wirklich? Man spricht von „Future Skills“ – KI-Kompetenz, der souveräne Umgang mit neuen Technologien. Von „Personal Skills“ – Empathie, Neugier, Resilienz, Mut. Und von einer Fähigkeit, die für mich zunehmend zur wichtigsten wird: Critical Thinking. Wer nicht mehr hinterfragt, was eine Maschine ausspuckt, verliert die Kontrolle über die eigene Urteilskraft.
Am Ende jedes Prozesses steht eine Entscheidung. Maschinen liefern Daten, Wahrscheinlichkeiten, Optionen. Entscheiden müssen weiterhin Menschen – und das können sie nur, wenn sie gelernt haben, kritisch zu prüfen, statt blind zu übernehmen.
Ich erlebe das ganz konkret: Durch meinen Lehrauftrag an der Stella Musikhochschule sehe ich, wie KI auch den Unterricht selbst verändert – nicht nur die Inhalte, sondern die Rolle der Lehrenden. Wer früher reines Fachwissen vermittelt hat, muss heute befähigen, Fragen zu stellen, Quellen zu prüfen, den Blick von außen zuzulassen. Das erfordert Fortbildung für Lehrende selbst: im Umgang mit den Tools, aber vor allem im Umgang mit der eigenen Rolle als Vermittler von Urteilskraft statt reinem Wissen. Kein Grund zur Panik – aber jede Menge Handlungsbedarf, insbesondere im Bildungsbereich und in der Wissenschaft.
Tourismus. Zukunft. Österreich.
Am Donnerstag ging es dann beim WKÖ Summit Tourismus weiter, unter dem Motto „Tourismus.Zukunft.Österreich.2026: Transform Tourism – Mut zur Veränderung“. Eine starke Westachse – Vorarlberg, Tirol und Salzburg – lebt von Menschen, die Gastgeber aus Leidenschaft sind. Aber die Welt um uns wird nicht leichter: Energiepreise schwanken, Gäste buchen kurzfristiger. Wir warten darauf nicht ab, wir gestalten. Drei Dinge nehme ich mit:
- 🤖 KI & Digitalisierung – mehr Zeit für den Gast statt weniger Mensch
- 💶 Wettbewerbsfähigkeit braucht optimale Rahmenbedingungen
- 🤝 Gemeinsam wachsen wir stärker als allein
Der schönste Satz des Tages: Vertrauen lässt sich nicht automatisieren. Tourismus bleibt eine Bühne für echte Begegnungen.
Alpbach wirkt weiter
Fast noch mehr als die Tagungsbeiträge haben mich die Gespräche dazwischen geprägt: bilaterale Begegnungen, spontane Diskussionen, echter Austausch abseits der Bühne – bis hin zu einer Käsknöpfle-Partie mit dem Club Alpbach Vorarlberg mit inspirierenden Debatten.
Alpbach ist ein faszinierendes Dorf – man spürt eine europäische Dynamik, die man selten erlebt. Genau diese Energie müssten wir viel stärker mitnehmen und weitertragen, über die Tage in Alpbach hinaus. Ein Ort, ein Motto, viele Impulse – und ein Ort, der weiterwirkt.
Ich freue mich auf 2027, I’ll be back!

