Auch heuer verwandelte sich die Bergwelt der Silvretta wieder in ein hochalpines Atelier. Neun renommierte Kunstschaffende unterschiedlichster Stil- und Ausdrucksformen setzen sich mit den besonderen Gegebenheiten der hochalpinen Szenerie auseinander – Natur- und Bergerlebnis, geomorphologische Situation, Alpinismus und Seilbahntechnik fließen dabei unmittelbar in den künstlerischen Prozess ein.

Basislager auf der Versettla

Als Ausgangspunkt dient den Teilnehmer:innen das Bergrestaurant „Nova Stoba“ neben der Bergstation der Versettlabahn, auf über 2.000 Metern Seehöhe. Von dort aus starteten die Exkursionen in den alpinen Raum, bevor die Kunstschaffenden – mit kreativem Input aufgeladen – an ihre Werke gingen. Das Spektrum der Techniken ist breit: von Acrylmalerei über Holzschnitt, Aquarell und Zeichnung bis zu Fotografie, Skulptur, Objekt- und Konzeptkunst, Land Art und Video. Das SilvrettAtelier Montafon bietet damit reichlich Raum für nahezu jede zeitgenössische Ausdrucksform.

Eine Geschichte, die 1998 beginnt

Die Wurzeln des Projekts reichen fast drei Jahrzehnte zurück. Von 1998 bis 2014 trafen sich Künstlerinnen und Künstler jeden zweiten Sommer im Silvrettadorf auf der Bielerhöhe – auf Einladung der Vorarlberger Illwerke AG – zu einem Symposion, um sich künstlerisch mit den Besonderheiten dieses Ortes auseinanderzusetzen. Mit seiner eigenständigen Position und dem kontinuierlich hohen künstlerischen Niveau etablierte sich das SilvrettAtelier bald weit über die Region hinaus.

Die Handschrift von Projektleiter Roland Haas, der das Projekt seit seinen Anfängen betreut, zielt dabei stets auch auf einen internationalen Künstleraustausch. In dieser Form – als wiederkehrendes Kunst-Symposium im Hochgebirge – ist das Projekt bis heute einmalig.

Diese kontinuierliche Arbeit wurde 2006 auch offiziell gewürdigt: Die Vorarlberger Illwerke gewannen für die SilvrettAteliers den Maecenas Vorarlberg und erreichten beim Maecenas Österreich den zweiten Platz – eine Auszeichnung, die zugleich das langjährige Engagement von Roland Haas ehrte.

Neuer Standort, gleiches Konzept

Nach neun erfolgreich durchgeführten SilvrettAteliers auf der Bielerhöhe, die zur Gänze von den Vorarlberger Illwerken getragen wurden, fand das Projekt seit 2016 an einem neuen Ort und mit neuen Partnern statt: Auf Einladung von Stand Montafon, Montafon Tourismus und der Silvretta-Montafon als Hauptsponsor kommen die Kunstschaffenden seither für zwei Wochen auf die Versettla, ebenfalls auf rund 2.000 Metern Seehöhe.

Der Standort hat sich geändert, das Konzept ist geblieben: Die Teilnehmenden setzen sich zwei Wochen lang kreativ mit dem auseinander, was diesen Ort ausmacht – Natur- und Bergerlebnis, geomorphologische Situation, Alpinismus, die touristische Nutzung, Seilbahntechnik und nicht zuletzt ein Skigebiet, das im Sommer zur Bühne für Kunst wird. Die Themen ergeben sich dabei buchstäblich aus der Landschaft selbst.

Vom Berg in die Ausstellungsräume

Jedem SilvrettAtelier folgt im darauffolgenden Frühjahr eine umfassende Ausstellung, zu der ein zweisprachiger Katalog erscheint. Diese zeitliche Distanz gibt den Kunstschaffenden Raum, die am Berg begonnenen Arbeiten in Ruhe fertigzustellen und gemeinsam den Katalog zu gestalten. Die Ausstellungen fanden zuletzt an wechselnden, renommierten Orten statt: 2017 und 2019 im Künstlerhaus/Palais Thurn & Taxis in Bregenz, 2021 im Foyer des Vorarlberg Museums und 2023 im Bildraum Bodensee.

Ergänzend dazu gibt es im selben Jahr jeweils eine Ausstellung im Kunstforum Montafon in Schruns – damit erhalten auch die heimische Bevölkerung und die Gäste vor Ort einen unmittelbaren Einblick in die künstlerischen Sichtweisen der Teilnehmer:innen.

Ein einzigartiges Format

Mittlerweile zum 15. Mal durchgeführt – zum sechsten Mal auf der Versettla – hat sich das SilvrettAtelier Montafon längst einen festen Platz in der österreichischen Kunstszene erarbeitet. Als wiederkehrendes Kunst-Symposium im Hochgebirge bleibt es in dieser Form ein Unikat: ein Ort, an dem sich künstlerisches Schaffen und alpiner Naturraum auf besondere Weise begegnen – getragen von der Kontinuität eines Projekts, das über bald 30 Jahre gewachsen ist.

Christoph Thoma Blog

Unterwegs halte ich besondere Momente in Bildern und Geschichten fest. In meinem Blog finden sich Reportagen, Fotos und Eindrücke meiner politischen Arbeit und Schwerpunkte.