
Wer in Vorarlberg nach einem Ort sucht, an dem sich die Gegenwart nicht nur bestaunen, sondern denken lässt, landet früher oder später in der Remise Bludenz, einem Kulturzentrum, das sich über Jahrzehnte hinweg über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht hat.
Im Herzen dieses Hauses: der Kunstraum Remise, betrieben vo „allerArt – Verein zur Förderung von Kunst und Kultur“ in Bludenz. Und der startete gestern sein Ausstellungsprogramm 2026 mit einer ersten Ausstellung, die programmatisch kaum besser passen könnte: Georg Petermichl – „Universal thoughts – Allgegenwart“.
Kultureller Nahversorger – und zugleich überregional wirksam
allerArt versteht sich bewusst doppelt als kultureller Nahversorger für Bludenz und Umgebung und als Initiative, die ein breit gefächertes Programm in hoher Qualität anbietet. Gegründet wurde der Verein 1988 mit dem Ziel, zeitgenössischem Kunstschaffen eine Bühne zu geben. Seit der Eröffnung 1998 ist diese Bühne in der Remise Bludenz beheimatet.
„Hier geht es nicht um Eventkultur im Vorbeigehen, sondern um Kontinuität, Haltung und ein Programm, das verschiedenste Künste sprechen lässt. “ (CT)
Der Kunstraum Remise: sechs Positionen pro Jahr – konzentriert, klar, neugierig
Im Kunstraum Remise werden jährlich sechs Ausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt – in der Regel als Einzelausstellungen, gelegentlich ergänzt durch Duo- oder Gruppenschauen.
„Sechs Positionen pro Jahr bedeuten Fokus und Zeit sowie für Kunstinteressierte die Chance, sich wirklich mit Kunst und Gesellschaft auseinanderzusetzen.“ (CT)
Kulturförderung als Investition in die Gesellschaft
Gerade deshalb sind die Förderungen von Stadt, Land und Bund so wesentlich: Sie sichern nicht nur den Betrieb des Kunstraums in der Remise, sondern ermöglichen künstlerische Arbeit, die sich Zeit nimmt, Fragen stellt und Diskussionen eröffnet. Zeitgenössische Kunst ist kein dekorativer Zusatz, sondern ein öffentlicher Ort des Denkens – und damit auch ein Ort, an dem gesellschaftliche Positionen sichtbar und verhandelbar werden: leise oder laut, poetisch oder politisch, aber immer als Einladung, die Gegenwart gemeinsam zu verstehen und zu gestalten.
Die erste Ausstellung im Jahr: Georg Petermichl – „Universal thoughts – Allgegenwart“
Den Auftakt machte gestern die Eröffnung der Ausstellung „Universal thoughts – Allgegenwart“ von Georg Petermichl (Fotografie, Skulptur, Installation). Petermichls Hauptinteresse gilt der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit. Er nutzt dafür – sehr bewusst – den Modus Operandi der Fotografie: den Augenblick, Perspektive, Ausschnitt, Serie, Analogien, Metaphern. Diese Gestaltungselemente werden zu Werkzeugen, mit denen sich die überwältigende Natur der Realität überhaupt erst handhabbar macht. Zur Ausstellung gehören fotografische Arbeiten ebenso wie Objekte (u.a. Keramik) – und damit eine Erweiterung des fotografischen Blicks in den Raum. Petermichl arbeitet konzeptuell, transformiert Alltagsobjekte und Konsumgüter und erzählt dabei von Sammeln, Selbstinszenierung, Kaufkraft und den Ritualen eines bildungsbürgerlichen Freizeitverhaltens.











