
Neujahrsempfänge sind gesellschaftliche Fixpunkte. Sie zeigen, wie eine Region zusammenhält: Unternehmerinnen und Unternehmer, Mitarbeitende, Vereine, Gemeindevertretungen, Kammern, Sozialpartner – alle, die täglich daran arbeiten, dass Wertschöpfung entsteht und Perspektiven bleiben. Und sie sind der Ort, an dem man das neue Jahr nicht nur „eröffnet“, sondern auch eine zentrale Frage stellt: Was brauchen unsere Betriebe, damit sie investieren, wachsen und Arbeitsplätze sichern können?
Gleichzeitig haben Neujahrsempfänge noch eine zweite, oft unterschätzte Funktion: Sie bieten Raum zum Nachdenken – über das, was gut gelaufen ist, und über das, was wir nachschärfen müssen. Wer besser werden will, braucht Gelegenheiten, um aus der Hektik des Alltags kurz auszusteigen, zuzuhören und Prioritäten einzuordnen. Genau darin liegt ihr Mehrwert: ein gemeinsamer Startpunkt, der nicht nur feiert, sondern auch Orientierung schafft.
Dass beim Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung am 12. Jänner die Industrie und der Standort so stark im Mittelpunkt standen, ist kein Zufall. Die Industrie hängt an regionalen Zulieferketten, an Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben, an Logistik, Energie, Bau, IT – und damit an vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft bilden. Und sie zeigt auch: Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht in PowerPoint-Folien, sondern dort, wo täglich gearbeitet, entwickelt, geliefert und ausgebildet wird.
Österreich braucht einen starken, wettbewerbsfähigen Industriestandort – weil er Arbeitsplätze und Innovation sichert, Wohlstand schafft und damit auch unseren Sozialstaat trägt. Und genau daran arbeiten wir mit Hochdruck. Aus dem Bekenntnis wird konkrete Umsetzung: Wir treiben einen umfassenden Maßnahmenplan voran, der bei den Energiekosten ansetzt, Verfahren beschleunigt und Bürokratie spürbar reduziert. Parallel dazu schärfen wir in Forschung und Entwicklung den Fokus auf Schlüsseltechnologien, um unsere bestehenden Stärkefelder gezielt auszubauen. Und weil wir eine Exportnation sind, schaffen wir die Voraussetzungen, damit unsere Unternehmen auf internationalen Märkten bestehen können – gemeinsam, im engen Schulterschluss von Unternehmen, Standort- und Förderagenturen, Expertinnen und Experten sowie Sozialpartnern und Interessenvertretungen.
Damit wird klar: Standortpolitik darf nie abstrakt bleiben. Sie landet schlussendlich immer auf dem Schreibtisch eines Unternehmers, in der Werkhalle, im Büro – und am Ende bei den Mitarbeitenden und ihren Familien. Eine starke Region lebt vom Zusammenhalt: vom Zusammenspiel aus Betrieben, Gemeinden, Ausbildung, Vereinen und Ehrenamt. Dort, wo man sich kennt und einander unterstützt, entstehen oft die besten Lösungen – pragmatisch, schnell und mit Blick auf das Machbare.
Standort ist mehr als Wirtschaft: Kultur und Lebensqualität als Wettbewerbsvorteil
Wenn wir über Industrie und Wettbewerbsfähigkeit sprechen, dürfen wir den Blick nicht verengen. Regionen gewinnen nicht nur über Kosten, sondern auch über Lebensqualität: leistbares Wohnen, gute Kinderbetreuung, funktionierende Mobilität, attraktive Ortszentren, Natur- und Freizeitangebote. Und sie gewinnen über Kultur – nicht als „Nice-to-have“, sondern als echter Standortfaktor. Kultur schafft Identität, zieht Talente an, stärkt Kreativität und macht eine Region lebenswert. Wer Fachkräfte halten will, muss nicht nur Arbeitsplätze bieten, sondern auch ein Umfeld, in dem Menschen gerne bleiben – mit Perspektive für Familien und einem dichten sozialen Netz.
Gerade deshalb gehören Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsgeist, Vertrauen und Lebensqualität zusammen. Neujahrsempfänge können dafür ein Startschuss sein – entscheidend ist, was danach passiert: dass aus Nachdenken konkrete Schritte werden, aus Nachschärfe Tempo und aus Zusammenarbeit spürbare Verbesserungen für Betriebe vor Ort.

