
Am 8. September durfte ich die neue Ausstellung im ORF-Landesfunkhaus Vorarlberg eröffnen. Die aus Vorarlberg stammende Künstlerin Elena Apollonio präsentierte ihre Installation „Die Katze beißt sich in den Schwanz“– schon der Titel verrät, dass hier nichts geradlinig zugeht.
Ein Raum, der sich neu erfindet
Was Apollonio geschaffen hat, ist keine klassische Ausstellung, die man an der Wand entlang abschreitet. Ihre gemalten und plastisch erweiterten Elemente ziehen sich über Wände und Boden, orientieren sich an der Architektur des Hauses und ordnen den Raum neu. Man betritt die Installation nicht einfach – man wird Teil von ihr. Genau das macht für mich den Reiz solcher Arbeiten aus: Sie verändern, wie wir einen Ort sehen, den wir zu kennen glauben. Kuratiert wurde der Abend von Marbod Fritsch.
Warum uns solche Abende etwas angehen
Mehr denn je bin ich überzeugt davon, dass Kunst und Kultur kein Beiwerk zur Gesellschaft sind, sie sind ihr Resonanzraum. Künstlerinnen und Künstler wie Elena Apollonio zeigen uns Themen auf, bevor wir selbst die Worte dafür finden – hier etwa die Frage, wie einzelne Elemente innerhalb größerer Systeme zueinander stehen. Das ist keine abstrakte Kunsttheorie, das ist auch eine Frage, die uns in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ständig begleitet: Wie verhält sich das Einzelne zum Ganzen?
Genau deshalb sind Vernissagen Orte des Dialogs – zwischen Künstlerin und Publikum, zwischen Kuratoren und Betrachtenden, zwischen unterschiedlichen Generationen und Perspektiven. Wo Kunst Fragen stellt, entsteht Gesprächsbedarf. Und wo Gespräch entsteht, wächst eine Gesellschaft, die einander zuhört.
Eine Künstlerin mit Vorarlberger Wurzeln
Elena Apollonio wurde 1989 in Bregenz geboren, lebt in Wien und befindet sich aktuell auf einer Residenz in China. Nach ihrem Studium an der Universität für angewandte Kunst Wien im Bereich Grafik und Druckgrafik, einem GO-Stipendium des Landes Vorarlberg 2023 und einem weiteren Abschluss im Bereich TransArts 2026 zeigt sie eindrucksvoll, wohin künstlerische Konsequenz führen kann. Das ist auch ein Stück Standortpolitik: Wenn wir Talente aus Vorarlberg fördern, kommen sie – wie in diesem Fall – mit außergewöhnlichen Arbeiten zurück zu uns.
Selbst hingehen lohnt sich
Die gute Nachricht für alle, die bei der Eröffnung nicht dabei sein konnten: Die Installation ist noch bis 1. November 2026 täglich bei freiem Eintritt im ORF-Landesfunkhaus Vorarlberg zu sehen. Ich kann nur empfehlen, sich selbst ein Bild zu machen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Denn manchmal braucht es genau diesen Blick von außen, den die Kunst uns schenkt, um zu verstehen, wie eng alles miteinander verbunden ist.
Foto: Maurice Shourot

