
In Zeiten globaler Handelskonflikte und stagnierender Märkte ist die Anbindung Europas an wachstumsstarke Regionen eine strategische Notwendigkeit. Wer Wohlstand, Arbeitsplätze und Investitionen langfristig sichern will, kann sich aus den großen Wirtschaftsräumen dieser Welt nicht heraushalten. Genau hier setzt das Freihandelsabkommen Mercosur an – mit politischem Hausverstand, damit Wirtschaft und Landwirtschaft gleichermaßen profitieren.
Warum das Freihandelsabkommen wichtig ist
Das Mercosur-Abkommen öffnet europäischen Unternehmen den Zugang zu einem der größten Wachstumsräume der Welt mit mehr als 260 Millionen Menschen. Es schafft eine der größten Freihandelszonen weltweit und reduziert schrittweise Zölle auf einen Großteil der Industriegüter. Das heißt: Unsere exportstarken Betriebe – von Maschinenbau über Fahrzeugindustrie bis hin zu Umwelttechnik – erhalten bessere Marktchancen und sparen gleichzeitig erhebliche Zollkosten. In einer Phase, in der die Binnenkonjunktur schwächelt, ist das ein wichtiger Hebel für Wachstum.
Gleichzeitig stärkt das Abkommen die strategische Position Europas. Es geht nicht nur um mehr Export, sondern auch um die Absicherung von Lieferketten und den Zugang zu wichtigen Rohstoffen. In einer Welt, die zunehmend von Blockbildungen und geopolitischen Spannungen geprägt ist, kann Europa es sich nicht leisten, von einzelnen Regionen zu abhängig zu sein. Die Partnerschaft mit dem Mercosur-Raum (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien) ist daher ein Baustein für mehr wirtschaftliche Resilienz und Souveränität.
Offene Märkte mit klaren Spielregeln
Freihandel darf jedoch kein Freibrief für unfairen Wettbewerb sein. Offene Märkte funktionieren nur dann nachhaltig, wenn sie durch klare Regeln und wirksame Schutzmechanismen begleitet werden. Genau hier braucht es eine Politik, die Chancen nutzt, ohne Standards zu opfern – und die Landwirtschaft als Partner ernst nimmt, nicht als Kollateralschaden.
Sensible Bereiche in der Landwirtschaft – etwa Rindfleisch, Geflügel, Zucker oder Reis – müssen im Rahmen des Abkommens besonders geschützt werden. Das heißt: begrenzte Importquoten, wirksame Schutzklauseln und Mechanismen, die bei Marktverwerfungen rasch greifen. Wenn der Preisdruck zu groß wird oder Märkte instabil werden, muss Europa in der Lage sein, Importe zeitweise zu begrenzen und seine bäuerlichen Betriebe zu stützen.
Faire Bedingungen für unsere Bauern
Für die Bauern geht es vor allem um Fairness. Sie arbeiten unter hohen Umwelt-, Tierwohl- und Qualitätsstandards. Es wäre schlicht unfair, sie in direkten Wettbewerb mit Produkten zu stellen, die unter deutlich niedrigeren Auflagen produziert wurden. Daher braucht es ein klares Prinzip der Gegenseitigkeit: Zollvorteile darf es nur für jene Produkte geben, die vergleichbare Standards einhalten – bei Umwelt- und Klimaschutz ebenso wie bei Tierwohl, Lebensmittelsicherheit und Arbeitsbedingungen.
Mit Hausverstand – und mit der ÖVP
Die eigentliche Frage ist daher nicht: „Freihandel – ja oder nein?“, sondern: „Wie gestalten wir Freihandel so, dass er unseren Betrieben nützt und unsere Standards schützt?“ In Zeiten von Handelskriegen und Blockbildungen ist der Zugang zu dynamischen Märkten wie Mercosur alternativlos, wenn wir unseren Wohlstand sichern wollen. Aber er darf nie zulasten unserer bäuerlichen Familienbetriebe gehen.
Genau an dieser Schnittstelle braucht es eine Politik, die beides kann: wirtschaftliche Chancen nutzen und zugleich für faire Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft sorgen. Offene Märkte mit Hausverstand – dafür steht die ÖVP. Sie bekennt sich zu Freihandel als Motor für Wachstum, Innovation und Arbeitsplätze, verbindet ihn aber mit klaren Schutzklauseln, hohen Qualitätsmaßstäben und einem starken Bekenntnis zu unseren Bauern.

