Am 1. Mai 2026 war Klagenfurt für einige Stunden auch ein Stück Vorarlberg. Rund 5.000 Fans aus dem Ländle machten sich auf den Weg ins Wörthersee Stadion, um den SCR Altach im ÖFB-Cupfinale gegen den LASK zu unterstützen. Altach ging zweimal in Führung, kämpfte beherzt bis in die Verlängerung und musste sich am Ende dennoch mit 2:4 geschlagen geben. Für den LASK bedeutete dieser Sieg den ersten großen Titel seit dem Double-Jahr 1965 — herzliche Gratulation dazu. 

Und trotzdem bleibt aus Vorarlberger Sicht weit mehr als Enttäuschung: Dieses Finale war ein großer sportlicher Erfolg für den SCR Altach, aber auch ein starkes Zeichen dafür, welche gesellschaftliche Kraft im Sport steckt. Wenn 5.000 Menschen quer durch Österreich reisen, gemeinsam hoffen, singen, leiden, jubeln und am Ende trotz Niederlage stolz bleiben, dann sieht man: Sport ist nicht bloß Ergebnis, Tabelle oder Trophäe. Sport ist ein Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Gerade der Fußball zeigt immer wieder, was in unserer Gesellschaft oft schwieriger wird: Menschen mit unterschiedlichen Berufen, politischen Haltungen, Lebensgeschichten und Generationen stehen plötzlich Seite an Seite. Auf der Tribüne fragt niemand zuerst nach Herkunft, Einkommen oder Weltanschauung. Entscheidend ist für 90 oder 120 Minuten etwas Gemeinsames: die Farben, die Mannschaft, die Region, das Wir.

Dieses „Wir“ ist nicht selbstverständlich. Es entsteht dort, wo Menschen sich begegnen. Im Verein, am Sportplatz, beim Nachwuchstraining, im Fanbus, im Ehrenamt, beim Kartenverkauf, beim Public Viewing, im Gasthaus nach dem Spiel. Sportvereine sind deshalb Orte der Begegnung, der Verantwortung und des Zusammenhalts.

Die Europäische Kommission beschreibt Sport und Bewegung ausdrücklich als Träger von Toleranz, Solidarität, Inklusion und sozialer Integration.

Der Cup-Lauf des SCR Altach hat genau das sichtbar gemacht. Ein Verein aus einer vergleichsweise kleinen Gemeinde mobilisiert ein ganzes Bundesland. Menschen identifizieren sich mit einer Mannschaft, weil sie darin auch ein Stück Heimat sehen. Altach steht dann nicht nur für elf Spieler auf dem Platz, sondern für Einsatz, Bodenständigkeit, Zusammenhalt und den Glauben daran, dass auch vermeintlich kleinere Vereine Großes erreichen können.

Besonders beeindruckend war, dass dieser Zusammenhalt nicht vom Ergebnis abhängig war. Natürlich: Es tut weh, wenn man zweimal führt und am Ende doch verliert. Aber die Reaktion der Fans, die Unterstützung bis zum Schluss und der Stolz auf diese Leistung zeigen eine reife Sportkultur. Gewinnen ist schön. Verlieren mit Haltung ist mindestens ebenso wichtig. Genau darin liegt ein gesellschaftlicher Wert: Sport lehrt uns, mit Erfolg und Enttäuschung umzugehen, fair zu bleiben und dem Gegner Respekt zu zollen.

Für Vorarlberg bleibt dieses Finale dennoch ein Festtag. Nicht, weil der Pokal nach Altach gekommen ist, sondern weil 5.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger gezeigt haben, was Gemeinschaft bedeuten kann. Sie haben sichtbar gemacht, dass Sport Menschen aktiviert, verbindet und stolz macht. Sie haben bewiesen, dass ein Verein Strahlkraft weit über den eigenen Ort hinaus entwickeln kann.

„Chapeau, SCR Altach. Chapeau an die 5.000 Vorarlberger Fans in Klagenfurt. Und herzliche Gratulation an den LASK zum verdienten Cupsieg. Genau solche Geschichten zeigen, warum Sport für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist.“

Christoph Thoma Blog

Unterwegs halte ich besondere Momente in Bildern und Geschichten fest. In meinem Blog finden sich Reportagen, Fotos und Eindrücke meiner politischen Arbeit und Schwerpunkte.