Es gibt Orte, die man zu kennen glaubt – bis plötzlich etwas darin auftaucht, das den vertrauten Blick durcheinanderbringt. Genau das passiert gerade in Gaschurn-Partenen. Zwischen Bergpanorama, Wiesen und gewachsener Architektur hat der Künstler Marcel Dengel seine markanten Skulpturen der Reihe MasiRati platziert – und verändert damit, ohne ein einziges Haus zu versetzen, den Ort.

Kunst im öffentlichen Raum funktioniert anders als Kunst im Ausstellungsraum. Sie hat kein neutrales Weiß um sich herum, keinen kuratierten Rahmen, der sagt: „Hier beginnt die Betrachtung.“ Stattdessen steht sie mitten im Alltag – neben der Bushaltestelle, am Wegrand, im Blickfeld beim Spaziergang mit dem Hund. Wer daran vorbeikommt, hat sich die Begegnung nicht ausgesucht. Genau darin liegt ihre Kraft: Sie überrascht Menschen dort, wo sie es nicht erwarten, und stellt Fragen, ohne dass man dafür ein Ticket lösen musste.

„Diese Unmittelbarkeit macht Kunst im öffentlichen Raum zu einem demokratischen Format. Sie richtet sich nicht an ein Fachpublikum, sondern an alle, die den Weg entlanggehen – Einheimische auf dem Weg zur Arbeit ebenso wie Gäste, die zum ersten Mal durchs Tal fahren.“ (CT)

Das Zusammenspiel von Landschaft, Architektur und Vorstellungskraft

Was Marcel Dengels Arbeiten mit den MasiRati-Skulpturen besonders macht, ist genau dieses Wechselspiel: Sie treten nicht gegen die Berglandschaft an, sondern treten mit ihr in einen Dialog. Eine Skulptur im alpinen Raum muss sich behaupten – gegen mächtige Gipfel, wechselndes Licht, gewachsene Holz- und Steinarchitektur. Sie kann das nicht durch Größe allein, sondern durch Haltung: durch eine Form, die einen eigenen Rhythmus in die Landschaft legt, ohne sie zu übertönen.

So entsteht ein drittes Element neben Natur und gebauter Umwelt: die menschliche Vorstellungskraft. Eine Skulptur im öffentlichen Raum verändert nicht die Landschaft selbst, aber sie verändert, wie wir sie sehen. Ein vertrauter Hang bekommt plötzlich einen neuen Fixpunkt. Ein Weg, den man tausendmal gegangen ist, führt auf einmal an etwas vorbei, das zum Innehalten zwingt. Genau dieses Innehalten – dieser kurze Bruch in der Routine – ist es, was künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum so wertvoll macht.

Warum das für Einheimische und Gäste gleichermaßen zählt

Für die Menschen, die in Gaschurn-Partenen leben und urlauben, kann so ein Werk eine Umgebung inspirierend aufladen. Der Ort wird noch einmal anders lesbar, bekommt eine zusätzliche Erzählebene – Gesprächsstoff und Anlass für Diskussionen, vielleicht auch für Widerspruch. Genau das ist gesund für eine Gemeinschaft: Kunst im öffentlichen Raum eröffnet einen Raum für Austausch, der nicht an eine Institution gebunden ist.

Ein Blick, der bleibt

Wer durch Gaschurn-Partenen kommt und auf eine dieser Skulpturen trifft, nimmt vielleicht nicht nur ein Foto mit, sondern einen veränderten Blick auf das, was Landschaft, Architektur und menschliche Vorstellungskraft gemeinsam erzählen können. 

Marcel Dengels MasiRati-Skulpturen sind derzeit in Gaschurn-Partenen zu sehen. (Fotos: Gerhard Scopoli)

Christoph Thoma Blog

Unterwegs halte ich besondere Momente in Bildern und Geschichten fest. In meinem Blog finden sich Reportagen, Fotos und Eindrücke meiner politischen Arbeit und Schwerpunkte.