
Österreichische Botschaft, Konrad-Adenauer-Stiftung, DIHK, CDU-Wirtschaftsrat – wenn man in zwei Tagen so viele Perspektiven auf denselben Zustand hört, bleibt am Ende nicht die Fülle der Themen hängen, sondern ein einziger Satz: Mit Ratio kann man Emotion nicht beantworten.
Genau daran krankt es gerade – hüben wie drüben. Deutschland diskutiert Klimaschutzgesetz, Lieferkettengesetz, Rentenreform, Einkommenssteuer – lauter Detailfragen, für die es kluge Antworten gibt. Aber die eigentliche Frage stellt kaum jemand: Welches Zukunftsbild erzählen wir eigentlich? Die DIHK bringt es am Beispiel ihres Energiewende-Ansatzes auf den Punkt: „Lasst es uns vernünftig machen.“ Vernünftig – ein gutes Wort. Aber mit Vernunft allein gewinnen wir keine Wahlen mehr und beruhigen auch keine Gesellschaft, die sich orientierungslos fühlt in einem Transformationsraum, dessen Ziel niemand mehr klar benennt.
Der unbequemste Gedanke der zwei Tage: Haben wir vielleicht kein Kommunikationsproblem, sondern ein Erkenntnisproblem? Also nicht: Wir erklären es nur schlecht. Sondern: Wir haben nicht wirklich verstanden, woher die Unzufriedenheit kommt. Das ist ein Unterschied, der weh tut.
Und dann die Frage, die im Raum stand, ohne dass sie jemand laut zu Ende gedacht hat: Ist die Brandmauer-Debatte in ihrer öffentlichen Zuspitzung noch eine Debatte, die tatsächlich draußen geführt wird – oder haben wir uns da in einer Fehlbetrachtung eingerichtet, die mehr über das eigene Milieu erzählt als über das Land?
Was bleibt für uns in Vorarlberg? Auch wenn die Dimensionen andere sind: Die Fragen sind dieselben. Wirtschafts- und Standortpolitik gehört wieder ins Zentrum, nicht an den Rand der Debatte. Kompromiss ist kein Schimpfwort, aber er muss neu erzählt, nicht nur verwaltet werden. Und: Nichts ist unangreifbar – auch keine Position, die man für selbstverständlich hält. Wer das vergisst, verliert die Deutungshoheit an jene, die zwar keine besseren Antworten, aber die besseren Geschichten erzählen.
Zwei Tage Berlin mit den Wirtschaftsbund-Direktor:innen aus den Bundesländern – und eine Erkenntnis, dass die Standortfrage sowohl eine wirtschaftliche ist, aber eben auch eine narrative.
Ein Bild, das genau diesen Gedanken noch einmal auf den Punkt bringt, lieferte ausgerechnet der Ort, an dem die zwei Tage endeten: die Kuppel des Reichstagsgebäudes. Rund 23 Meter hoch, 40 Meter breit – mit dem Regierungsumzug 1999 erhielt der Bau seine Kuppel zurück, entworfen von Sir Norman Foster gemeinsam mit Fachingenieuren. Umgesetzt hat die Konstruktion aus Stahl und Glas eine Arbeitsgemeinschaft, die die europaweite Ausschreibung gewann – mit Waagner-Biró aus Wien und München sowie Götz aus Dillingen also maßgeblich mit österreichischer Handschrift.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe dieser Reise: Die großen Bilder, die ein Land oder eine Institution nach außen trägt, entstehen oft aus Beiträgen, die im Kleingedruckten stehen. Genau darum geht es auch beim Standort Vorarlberg – nicht nur die richtigen Antworten liefern, sondern sichtbar machen, welchen Beitrag wir leisten. Und die passende Geschichte dazu erzählen.

