Bereits zum 26. Mal fand die „ORF-Lange Nacht der Museen“ statt – in ganz Österreich sowie in Teilen von Slowenien, Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland. Auch in Vorarlberg öffneten 81 Museen, Galerien und Kultureinrichtungen bis Mitternacht ihre Türen. 

Auftakt mit Hochspannung: Die Vorarlberger Museumswelt

Die offizielle Eröffnung fand in der Vorarlberger Museumswelt statt. Sieben Museen unter einem Dach, rund 2.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche: Elektromuseum, Landesfeuerwehrmuseum, Vorarlberger Jagdmuseum, Blaulichtmuseum, Tabakmuseum, Grammophonicon und Fotomuseum mit integriertem Museumskino. Technik trifft hier auf Geschichte, Klang auf Bild, Tradition auf Innovation.

Im Mittelpunkt stand die Eröffnung des neu gestalteten Elektromuseums. Mit der „Transmission“ erlebten die Gäste Hochspannungsvorführungen und zahlreiche Exponate in Betrieb. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von den Feldkircher Jagdhornbläsern.

Die Geschichte des Hauses beeindruckt: Das um die Jahrhundertwende erbaute Wasserkraftwerk der ehemaligen Textilfabrik Ganahl drohte einst abgerissen zu werden. Der 1997 gegründete „Museumsverein E-Werke Frastanz“ rettete es, restaurierte es und baute daraus Schritt für Schritt eine umfassende Ausstellung zur Elektrizität auf.

„Ohne die Menschen im Museumsverein gäbe es dieses Kraftwerk heute nicht mehr. Hier sieht man, was Ehrenamt leisten kann: Es bewahrt nicht nur Gebäude, es bewahrt Geschichte und macht sie für die nächste Generation erlebbar.“ (CT)

Industrie zum Anfassen: Das IV-Haus der Zukunft

Erstmals bei der „Langen Nacht“ dabei war die Industriellenvereinigung Vorarlberg mit dem IV-Haus der Zukunft. Das Haus versteht sich als offener Ort des Dialogs und der Begegnung – mit einer klaren Haltung: Industrie gehört in die Mitte der Gesellschaft.

Herzstück ist die interaktive Erlebniswelt der Industrie. Als multimedialer Lern- und Erlebnisraum verbindet sie Geschichte mit Gegenwart und Zukunft und zeigt, wie stark die Industrie Vorarlberg geprägt hat und wie sie Verantwortung für die Gestaltung von morgen übernimmt. Spielerisch, interaktiv, zum Anfassen und zum Mitdenken.

„Vorarlbergs Wohlstand ist nicht vom Himmel gefallen. Er wurde in Werkstätten, Fabriken und Familienbetrieben erarbeitet. Dass die Industrie ihre Türen öffnet und gerade jungen Menschen zeigt, welche Perspektiven hier entstehen, ist genau der richtige Weg.“ (CT)

Schönheit und Unbehagen: „Inspiration“ im S-MAK Lustenau

Eine der eindrücklichsten Stationen war das S-MAK in Lustenau. Die Ausstellung „Inspiration“ des Schweizer Designers Martin Leuthold, zu sehen bis Anfang 2027, widmet sich der Stickereiproduktion in Vorarlberg und ihren Verflechtungen mit internationalen Märkten – allen voran Nigeria.

Lustenau gilt seit dem 19. Jahrhundert als Zentrum der Stickereiindustrie. Vor allem seit den 1970er-Jahren wurden hochwertige Stickereien nach Westafrika exportiert, wo sie in Festkultur, Mode und gesellschaftlicher Repräsentation eine zentrale Rolle spielten. Neben Lustenau trugen auch Dornbirn, Hohenems, Götzis, Altach und weitere Orte zu diesem Exportmarkt bei.

Leuthold macht diese Zusammenhänge in vielschichtigen Arbeiten sichtbar. Die Ausstellung bewegt sich bewusst zwischen Schönheit, Überfluss und Unbehagen: Farben und Muster verführen – und verweisen zugleich auf globale Systeme von Produktion, Handel und Wertschöpfung, auf Abhängigkeiten ebenso wie auf Selbstbehauptung. Eindeutige Antworten gibt sie nicht. Sie fordert dazu auf, den eigenen Blick zu hinterfragen.

„Diese Ausstellung zeigt, dass Vorarlberg schon vor Jahrzehnten global vernetzt war. Unsere Wirtschaftsgeschichte ist auch Weltgeschichte – mit allen Licht- und Schattenseiten. Ein Museum, das solche Fragen stellt, leistet einen wichtigen Beitrag zur Debatte.“ (CT)

Museen sind keine Abstellräume der Vergangenheit. Sie sind Orte, an denen wir verstehen, woher wir kommen, und gemeinsam darüber nachdenken, wohin wir wollen. Die Lange Nacht bringt Menschen zusammen, die sonst vielleicht nie den Weg in diese Häuser finden würden.

Christoph Thoma Blog

Unterwegs halte ich besondere Momente in Bildern und Geschichten fest. In meinem Blog finden sich Reportagen, Fotos und Eindrücke meiner politischen Arbeit und Schwerpunkte.