Bewerbungsprozesse zur Europäischen Kulturhauptstadt beschäftigen mich seit Herbst 2014. Damals in Berlin, bei der Preisverleihung des Kulturmarken Awards 2014, hatte alles angefangen. Unsere Landeshauptstadt Bregenz wurde zur Stadtmarke des Jahres 2014 auszgezeichnet, ein Erfolg der Kommunikationsarbeit der Bregenz Tourismus & Stadtmarketing GmbH. Ein intensiver Diskurs mit vielen Kulturhauptstadt-Akteuern wurde in Gang gesetzt, insbesondere mit dem Macher von Ruhr.2010, Prof. Dr. Oliver Scheytt.

In Folge wurde, ausgehend von Bregenz Tourismus & Stadtmarketing, ein dynamischer Prozess gestartet, was mit einem Unternehmerfrühstück am 20. Mai 2015 seinen Anfang nahm.

https://www.derstandard.at/story/2000016117114/bregenz-will-2024-europaeische-kulturhauptstadt-werden

Nun, die Geschichte ist mittlerweile bekannt: Bregenz ist augestiegen, Dornbirn hat den Lead übernommen, diskutiert wurde die Bewerbung ganz selten, zumindest gab es keinen öffentlichen Diskurs, der in irgendeiner Form nachhaltige Wirkung zeigte.

Trotzem: Hut ab vor den Dornbirner Plänen. Ich kenne nur das 1. Bewerbungsbuch, und da sind einige wahnsinnig interessante Ideen drinnen. Das finale Bewerbungsbuch wurde bis dato nicht veröffentlicht. Transparenz ist in meinen Augen jedoch der Kern einer möglichen Kulturhauptstadt, da sehe ich Entwicklungspotenzial für die Zukunft.

Ich bin sehr gespannt, wen die Jury morgen Dienstag zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 ernennt. Bad Ischl/Salzkammergut, St. Pölten oder Dornbirn plus. Sollte es Dornbirn plus sein, gilt für mich:

  1. Volle Konzentration und einen Schulterschluss des ganzen Landes, um Vorarlberg Europa so zu präsentieren, dass wir insbesondere mit Bregenz als dem kulturellen Zentrum des Landes bereits Kulturhauptstadt sind und dass Dornbirn plus über die Bewerbungsinhalte neue kulturelle und vor allem Europa vernetzende Projekte ins Land bringen wird, welche auf die kulturelle Innovationskraft des Landes aufbauen und nachhaltige kulturelle Produktionen möglich machen wird.
  2. Immer im Auge zu behalten heißt es, dass es neben einer möglichen Kulturhauptstadt auch weitere Impulse benötigt, über die eigentliche Kulturhauptstadtregion hinaus. Das sage ich insbesondere als Kulturstadtrat von Bludenz, der Bezirkshauptstadt des flächenmäßig größten Bezirk des Landes. Es muss gewährleistet sein, dass auch der Vorarlberger Süden in den nächsten Jahren neue Projekte und Ideen verwirklichen kann.
  3. Eine Diskussion über einen Standort des Industriemuseums darf nicht mit der Kulturhauptstadt-Brille, sondern mit den Bedarfen des Landes und dessen Industriegeschichte geführt werden.

Ich freue mich auf Dienstag, so oder so, in Dornbirn und im Rheintal wurde einiges in Bewegung gesetzt. Ein Prozess ist immer ein Anfang, und eine Frage, die der EU-Jury nachvollziehbar beantwortet werden muss: Was tun sie, wenn Sie den Titel nicht bekommen, wie lautet folglich Ihr Plan B? Es bleibt spannend …